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Redefining the Possible

Social Imagination

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Social Imagination

SOCIAL IMAGINATION

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Foto des Karussellpferdes des Ballons durch die Tür der Wohnung

Foto von Alex Majoli / Magnum Photos / Agentur Photos

Wer wollen wir werden?

Träumen können wir Menschen nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag. Viele unserer Entscheidungen und Handlungen sind von der Frage begleitet, welches Ergebnis wir uns vorstellen oder wünschen und wie wir die Erfolgschancen einschätzen. Gerade in größeren Zusammenhängen spielen diese Visionen und Szenarien eine wichtige Rolle: persönliche oder wissenschaftlich gestützte Vorstellungen davon, wie die Dinge verlaufen könnten und was passieren müsste, damit sie umgesetzt werden können.

Diese uns Menschen eigene Imaginationsfähigkeit verbindet die Gegenwart mit der Zukunft: Träume, Ideale und Utopien bekommen durch strategische Vorausschau die Chance, auch Realität zu werden.

Damit nimmt die Imagination – oder auch Visionsentwicklung – eine Schlüsselfunktion in der Transformationsforschung ein: Nur wenn wir ein Bild (imago) davon haben, wie es am Ziel aussehen soll, können wir auch Veränderungen darauf ausrichten.

Imagination kann so auf drei Ebenen wirksam werden: Wir können unser Leben als Individuen verändern und uns kreativ in Wandlungsprozesse einbringen. Organisationen können ihre Ziele neu ausrichten und als soziales Gebilde ihre Mitarbeiter*innen dafür begeistern. Und auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ist die Frage nach einer wünschenswerten Zukunft häufig mit dem Gemeinwohl verbunden: Chartas zu Menschenrechten, Verfassungen von Gesellschaften, aber auch übergeordnete Strategien wie die globalen Nachhaltigkeitszielen geben hier recht stabile Rahmen vor für die Überlegung: Wohin möchten wir gemeinsam steuern?

Das Bestehende reflektieren

Doch welche Wege sich am besten zur Zielerreichung eignen, ist weder universal gültig noch über die Zeit unveränderlich.

Alternativenreichtum und der Zustand des Nicht-Alles-Wissens gelten in komplexen Systemen als Potenzial – und das schon seit Charles Darwin.

Dennoch scheinen gerade Krisenzeiten den Wunsch nach Kontrolle und Vorhersagbarkeit zu stärken. Halt wird in bestehenden Lösungen, Wegen und Modellen gesucht, nicht in übergeordneten Zielen.

In Umbruchzeiten wie heute reicht das nicht aus. Denn schließlich sind die Krisen aus dem Bestehenden hervorgegangen: Sie zeichnen sich eben dadurch aus, dass bisherige Maßnahmen oder Lösungen nicht mehr funktionieren.

Unsere heutige Welt unterscheidet sich fundamental von der Welt vor 250 Jahren, als die industrielle Revolution begann. Und doch suchen wir heute vorwiegend mit der damaligen Sichtweise auf die Welt nach Lösungen. Wir haben vergessen, unsere Denkmuster auf ihre Tauglichkeit für die Gegenwart zu prüfen. Sie zu hinterfragen macht den Blick auf die Hebel frei, mit denen wir aus der Krise in die Zukunftsgestaltung im 21. Jahrhundert kommen.

Maja Göpel

Das Mögliche neu definieren

„Social Imagination“, die soziale Vorstellungskraft, hat eine lange und faszinierende Geschichte. Die Tradition des utopischen Denkens reicht von Platon über Thomas Moore und Francis Bacon bis in die Gegenwart. Viele Dinge, die wir heute für selbstverständlich halten, sind die Erfolgsgeschichte real gewordener sozialer Vorstellungskraft.

Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht also mithilfe von Reflexion und Imagination: Wenn wir etablierte Wege und Lösungsmuster immer wieder kritisch und kreativ hinterfragen, können wir unsere Vorstellungskraft für bislang ungedachte Varianten zum Einsatz bringen.

Wir leben in hochgradig komplexen Zeiten, in den vielfältigsten Lebensräumen. Um diese zu gestalten, brauchen wir mehrere Weisen des Erkennens gleichzeitig und zudem die Fähigkeit, uns ebenso frei wie situationsadäquat zwischen ihnen entscheiden zu können. Es bedarf einer bewusst gestaltbaren Biodiversität des Erkennens.

Silja Graupe

Am THE NEW INSTITUTE verstehen wir „Social Imagination“ als einen ganzheitlichen Ansatz, in dem Geistes-, Sozial-, und Naturwissenschaften zusammenfinden und Wissenschaft aufmerksam in die Gesellschaft hineinhört. Nur so können wir systemische Dynamiken in Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft im 21. Jahrhundert angemessen antizipieren und das Mögliche neu definieren.

Theorie und Praxis: Wer forscht und arbeitet dazu?

Quellen

Graupe, Silja. 2020. Der Gemeinsinn als dynamisches Fundament von Wirtschaft und Gesellschaft. Working Paper Serie der Institute für Ökonomie und für Philosophie, Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung 59 (Mai)

Göpel, Maja. 2016. The Great Mindshift: How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations Go Hand in Hand. Berlin: Springer International Publishing

Göpel, Maja. 2020. Unsere Welt neu denken. Ullstein Verlag

Central Saint Martins College Videostream, with Geoff Mulgan. 2021. Reawakening the Social Imagination: Designing a Global Alliance for Creative Action and Renewal

Mulgan, Geoff. 2020. The Imaginary Crisis. Working Paper