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Avram Alpert

Foto von Sabine Vielmo
FELLOWS/

Avram
Alpert


Princeton Writing Programme, Princeton University

BIO

Avram ist Schriftsteller, Dozent und Organisator. Durch seine Arbeit möchte er verstehen, nach welchen Werten wir in einer Welt leben können, die so vernetzt, chaotisch und potenziell katastrophal ist wie die heutige. Aktuell erforscht er für ein neues Buch, was es bedeuten könnte, in solch einer Welt weise zu sein. Zu solchen Themen hat er bereits drei Bücher verfasst, zuletzt The Good-Enough Life (Das Leben, das gut genug ist). In diesem legt er dar, warum das Anerkennen unserer Grenzen (wir sind immer nur gut genug) uns dazu bringen sollte, ein anständiges Leben (das Gute) und ausreichende Mittel (das Genügende) für alle sicherzustellen. Zudem hat er bereits in Aeon, der New York Times, der Washington Post, in Truthout und in der Brooklyn Rail publiziert. Derzeit ist er Dozent im Writing Program der Princeton University. Zusammen mit Sreshta Rit Premnath ist er Herausgeber und Programmleiter des Shifter Magazine. Mit Meleko Mokgosi und Anthea Behm begründete er das interdisziplinäre Kunst- und Theorieprogramm der Jack Shainman Gallery. Und wie Danny Snelson und Mashinka Firunts gehört er dem akademisch-künstlerischen Kollektiv Research Service an. Zuvor war er Fellow mehrerer Institutionen wie der Mellon Foundation, der Fulbright Commission of Brazil und dem Independent Study Program des Whitney Museum.

Avram ist seit Frühjahr 2022 am THE NEW INSTITUTE und wirkt im Programm „The Foundations of Value and Values“ mit.

PORTRAIT
FRAGEN
  • Was gibt Dir Hoffnung?

    In seinem Lehrgedicht Werke und Tage erzählt Hesiod die Geschichte der Büchse der Pandora, und da geschieht etwas Eigentümliches: Als Pandora die Büchse öffnet, entkommt alles Übel der Welt – außer der Hoffnung. Ich finde dies äußerst merkwürdig und schwer zu interpretieren. Soll es ein weiterer Fluch von Zeus sein, das Einzige einzuschließen, was uns in unserer Situation helfen könnte? Oder ist es ein Segen, denn es bedeutet, dass keine Hoffnung zu haben unsere einzige Möglichkeit ist, der Gegenwart nüchtern entgegenzutreten? Philosoph*innen neigen dazu, in dieser Frage unterschiedlicher Ansicht zu sein: Entweder sehen sie die Hoffnung als die Kraft, die uns angesichts der Schrecken des Lebens stützt, oder aber als Ablenkungsmanöver, welches den Glauben an eine unbekannte Zukunft in den Vordergrund stellt, obwohl wir die Gegenwart eigentlich ertragen und uns ihr stellen müssten. Ich tendiere dazu, zwischen beidem zu schwanken, weshalb die Frage, was mir Hoffnung gibt, schwer zu beantworten ist. Ich mache mir große Sorgen, dass vage Hoffnungen – wie die, dass uns die Technologie retten wird – die Lage in Wirklichkeit schlimmer machen. Vielleicht liegt darin ein Teil der Ambivalenz von Hesiods kurzem Gleichnis. Es ist schwer zu sagen, was Hoffnung ist. Doch zugleich kommt mir etwas Positiveres in den Sinn, dass es nämlich eine weitere Erklärung dafür gibt, weshalb die Hoffnung in der Büchse der Pandora bleibt. Diese legt nahe, dass vieles von dem, was allgemein als Hoffnung gilt, in Wirklichkeit keine Hoffnung ist – es sind nur weitere Übel, die sich als Hoffnung ausgeben. Der Name Pandora bedeutet „alle Gaben“. Aber die Hoffnung ist die eine Gabe, die tatsächlich nicht gegeben wird. Das bedeutet, dass Hoffnung nichts Vorübergehendes ist oder ein allgemeines Gefühl, dass die Dinge besser werden können. Sie ist eine wirkliche Aufgabe, die mühevolle Arbeit, herauszufinden, wo das Gefäß versteckt ist, und es zu öffnen. Was mir also Hoffnung gibt, ist (entschuldige das Paradoxon), dass Hoffnung nicht gegeben ist. Sie ist eine Leistung, die oft von Menschen gemeinsam erbracht wird, um einen Grund für den Glauben zu finden, dass die der Büchse entflohenen Übel nicht das Ende der menschlichen Geschichte sein werden.

  • Wie gelingt Veränderung?

    Auf diese Frage würde ich wirklich gerne klar und logisch antworten. Ich hätte gerne einen Plan, der besagt, dass wir dann, wenn wir bestimmte Dinge auf eine bestimmte Weise tun, die gewünschten Ergebnisse erzielen. Doch vollzieht sich Wandel auf geheimnisvolle Weise. Er ist eine Kombination von Dingen, und was diese Dinge sind, wird je nach historischem Kontext und Ausmaß stark variieren. Persönlicher Wandel vollzieht sich anders als politischer Wandel, und beide beeinflussen einander. Darüber hinaus erfordert jede Art von Veränderung für verschiedene Menschen oder Gesellschaften unterschiedliche Dinge. Erfahrung zählt. Ressourcen zählen. Führung zählt. Organisation zählt. Wille zählt. Eliten zählen. Soziale Bewegungen zählen. Glück zählt, vielleicht mehr, als wir uns eingestehen wollen. Keine einzige Zutat allein wird uns ans Ziel bringen. Aber in gewisser Weise ist dies an sich schon inspirierend. Die zufälligen Prozesse des Wandels bedeuten, dass selbst scheinbar abstrakte und abwegige Aktivitäten revolutionäres Potenzial bergen können. Ich denke etwa an Edmund Husserl, der jahrelang die Natur des Bewusstseins untersucht hat und die Art und Weise, wie Objekte dem Geist erscheinen. Er hätte niemals ahnen können, dass seine Ideen wenige Jahrzehnte später dazu beitragen würden, die revolutionäre Pädagogik von Paolo Freire zu inspirieren, der den Bauern in Brasilien das Lesen und Schreiben beibrachte. Freire wiederum hatte nicht nur zufällig Erfolg. Er organisierte sich, er mobilisierte, er arbeitete mit anderen zusammen, er nutzte Institutionen und Publikationen, um seine Ideen zu verbreiten, und er gewann institutionelle Macht. Und trotz alledem lebte er dann einen Großteil seines Lebens im Exil wegen einer autoritären Regierung, und Brasilien ist heute gefährlich nahe daran, zu einer solchen Art von Regierung zurückzukehren. Der Wandel an sich hat keine bestimmten Werte; er kann das Beste und das Schlechteste unserer menschlichen Fähigkeiten fördern. Und der Wandel ist ein Betrüger – er kann das Beste ins Schlimmste und das Schlimmste ins Beste umkehren. Was wir tun können – und ich denke, das ist ein Teil der Arbeit, die wir am TNI leisten –, ist, uns Klarheit darüber zu verschaffen, was wir für wertvollen Wandel halten; wie genau „guter Wandel“ aussieht. Und dann müssen wir, wohl wissend, dass das Schicksal alles, was wir getan haben, wieder zunichte machen kann, uns daran machen, die Art von Institutionen und Denkweisen zu schaffen, die diesen Werten zumindest eine Chance geben, Wurzeln zu schlagen und zu gedeihen.

  • Was ist der beste Ratschlag, den du je erhalten hast?

    Mich auf die Tatsache vorzubereiten, dass selbst dann, wenn ich alles richtig mache, die Dinge sich anders entwickeln könnten als geplant.

PUBLIKATIONEN

The Good-Enough Life, 2022


Global Origins of the Modern Self, from Montaigne to Suzuki, 2019

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