HERAUSFORDERUNG

FOTO VON KRISTI MCCLUER

Das Feuer am Eagle Creek brennt, während die Golfer auf dem Beacon Rock Golf Course in North Bonneville, Washington, scheinbar unberührt weiterspielen. 4. September 2017. REUTERS/Kristi McCluer

Waldbrände sind Teil unserer kollektiven Vorstellungskraft - die zivilisationsstiftende Flamme wird wütend. Der Klimawandel wird immer dramatischere Wetterphänomene zur Folge haben– so wie die auf dem Bild, das wir zeigen: Das Feuer wurde wenige Tage zuvor angeblich von einem 15-jährigen Jungen verursacht, es brannte drei Monate lang, verschlang 200 Quadratkilometer Land, noch neun Monate später glühte es an manchen Stellen. Wir lernen, mit diesen Feuern zu leben, und stellens uns doch die Frage, ob wir dieses „new normal“, wie Benjamin Bratton es nennt, akzeptieren? Oder ob wir es als Individuen wie als Gesellschaften schaffen, auf diese Herausforderung zu reagieren – und Sorge und Solidarität zu Grundlagen unseres Handelns machen.

Wir befinden uns an einem historischen Wendepunkt. Krisen prägen unser Leben, als Individuen, als Menschen. Diese Krisen erfordern neues Denken und neues Handeln. Wir brauchen neue Ideen für unsere gemeinsame Zukunft – und den Mut, diese Ideen auch umzusetzen.

Wir sind zuversichtlich, dass wir die ökologischen, ökonomischen und politischen Grundlagen unseres Lebens gemeinsam neu entwickeln können.

Die Klimakrise ist die größte Herausforderung – sie ist ein Symptom dafür, dass wir es nicht geschafft haben, unseren Planeten zu schützen. Aber es gibt noch weitere Krisen: Wir müssen unsere Wirtschaft neu strukturieren und unsere Demokratien neu denken. Nur dann werden wir unserer Verantwortung gegenüber der Zukunft gerecht.

Ein Wendepunkt kann auch eine Chance sein. Eines ist sicher: Die Welt wird eine andere sein. Mit dieser Gewissheit ist aber auch ein Versprechen verbunden: Wir können unsere Zukunft gemeinsam gestalten.

MISSION

THE NEW INSTITUTE ist ein Institute of Advanced Study und eine Plattform für die Gestaltung gesellschaftlichen Wandels. Wir wollen Ideen für grundlegend neu gestaltete Gesellschaften entwickeln. Wir wollen Erkenntnis in Veränderung verwandeln, indem wir akademische Exzellenz mit innovativer Praxis verbinden. Wir suchen Menschen, die unsere Vision und Werte teilen. Menschen, die Denken als Anleitung zum Handeln verstehen. Menschen, die den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben.

WERTE

Care – Courage – Creativity – Commitment
FOTO VON BLOMMERS & SCHUMM

Blommers & Schumm, Glas falling, 1996

Die beiden niederländischen Künstler*innen Anuschka Blommers und Niels Schumm arbeiten zwischen Kunst und Mode, sie verbinden das Konzeptionelle und das Kommerzielle zu einer nachhaltigen Melancholie. Es ist eine Melancholie, die weder traurig macht noch passiv, ein weitverbreitetes Missverständnis, was diesen Zustand der Moderne betrifft. Der ungarische Essayist László F. Földényi beschreibt die Melancholie etwa als einen produktiven Geisteszustand, der uns hilft, die Ambivalenz unseres brüchigen Lebens zu akzeptieren. Es ist eine dünne Membran, dieses Leben, für Földényi markiert sie die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei. Blommers & Schumm bohren nicht derart existentiell tief; aber sie zeigen die Wunderwelt der Dinge auf eine Art, die an einen Song von Roxy Music erinnert: Jedes Stillleben ist von Vergeblichkeit erfüllt. “Is there a heaven”, singt Bryan Ferry, “I’d like to think so.”

CARE

Wir sorgen uns um die Zukunft unseres Planeten - und die Grundlagen des Lebens.
FOTO VON BLOMMERS & SCHUMM

Blommers & Schumm, L‘escar go, 2017

Mut, darauf weist Corine Pelluchon in ihrem Essay hin, ist im Wesentlichen die Fähigkeit zur Angst. Es gibt keine Welt ohne Gefahr; oder anders gesagt: Es gäbe keine Bedeutung ohne Gefahr. Die dauernde Bedrohung unseres Lebens treibt unseren Überlebenswillen an. Und darum geht es, ganz grundsätzlich: Das Vergehen der Zeit, wie es die niederländischen Künstler*innen Blommers & Schumm hier zeigen. Wir sehen eine Flamme – Symbol sowohl für die Vergänglichkeit wie für die Ewigkeit. Die Absurdität entsteht dann, wenn sich die Wirklichkeit gegen sich selbst wendet. Oder wie es Albert Camus’ Sisyphus erlebt: Wir müssen akzeptieren, dass wir leiden, uns wehren, verlieren; aber wir werden nie aufhören, uns zu wehren, sonst hören wir auch auf zu leben. Im Mut liegt diese Hoffnung, es ist der Mut der Hoffnungsvollen.

COURAGE

Wir sind offen für das Neue und bereit, Risiken einzugehen und Widerstände zu überwinden.
FOTO VON MARTON PERLAKI

Marton Perlaki, aus dem Buch “Elemér”, 2016

Marton Perlakis Buch “Elemér”, dem dieses Bild entnommen ist, beschreibt eine Welt der zufälligen Zusammenhänge – und wie aus Manipulation und Täuschung vor der Kamera die Geschichte einer Figur entsteht, die es gar nicht gibt. Wir wissen nicht, wer Elemér ist – Perlaki sagt, wir müssten es gar nicht wissen – und während wir dieser Figur dabei zusehen, wie sie vor der Kamera erscheint, verwandelt sie sich und wird vom Menschen zur Skulptur, buchstäblich. Perlaki schafft es, selbst einfache Stillleben, Landschaften und Porträts aus seiner Heimat Ungarn humorvoll und dabei seltsam halluzinatorisch erscheinen zu lassen. Eine Inspiration seiner Arbeit sind so genannte Zigarettenkarten, Wegwerfware des frühen 20. Jahrhunderts, auf der einen Seite ein Haushalts-Tipp, auf der anderen Seite ein Bild. Perlaki beschreibt, wie diese Bilder auf den ersten Blick „albern wirken und sinnlos – aber wenn man sie umdreht, erschließt sich der Sinn dieser Piktogramme“. Auch Elemér dreht immerzu Karten um – Vögel, Blasen, Ziegel, Kartoffeln und Elemér selbst werden dabei ihres Kontextes entrissen. Sie krachen aufeinander. Es ist eine Art von Bastelarbeit; und Perlaki entdeckt dabei das Absurde im Realen, das Zerbrechliche im Konkreten.

CREATIVITY

Wir bauen auf Inspiration, Vorstellungskraft und Wissen, um wirksame und nachhaltige Zukunftskonzepte zu entwickeln.
FOTO VON PHILIP MONTGOMERY

Philip Montgomery für das New York Times Magazine, 2020

Die Covid-19-Pandemie war und ist eine Herausforderung – zuallererst auf menschlicher Ebene: die Toten, das Leid, die Angst, die Folgen der Krankheit. Und es gab gesellschaftliche Schäden: die soziale und wirtschaftliche Krise, der zunehmende Zerfall dessen, was unsere Gesellschaften zusammenhält. Dennoch: Die Möglichkeit war und ist da, das Richtige zu tun, nicht wegzulaufen. Philip Montgomery war dabei, er hat gesehen, was geschah, er ist ein Zeuge. Das New York Times Magazine hatte ihn mit dem Auftrag losgeschickt, den Beginn der Pandemie zu dokumentieren, zwei Monate arbeitete er an der Seite der Pfleger*innen und Ärzt*innen in verschiedenen Krankenhäusern New Yorks, er konzentrierte sich auf die Helfer*innen, nicht auf die Opfer der Krankheit. Das Bild, das wir zeigen, wurde im Kings County Hospital Center, Brooklyn, aufgenommen. Es zeigt, wie sich Opal Sinclair Chung (links), der Chef der Krankenpflege, und Steven Pulitzer (dritter von rechts), der Chef der medizinischen Abteilung, auf ihre Arbeit vorbereiten. Montgomery fotografierte nur in Schwarz-Weiß und gab seinen Bildern damit bei aller Dringlichkeit Würde. Er fand epische Ruhe zwischen Augenblicken menschlichen Ringens mit dem Virus. Und erinnerte uns daran, dass wir alles daransetzen müssen, besser zu sein als wir selbst.

COMMITMENT

Unsere Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen, Offenheit und Respekt.

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