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Anna Katsman

TEAM/

Anna
Katsman


Academic Director

BIO

Anna promovierte im Frühjahr 2021 im Fachbereich Philosophie an der New School for Social Research in New York. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der komplexen Frage, inwiefern Hegels Schrift Phänomenologie des Geistes eine Einleitung zu seinem Hauptwerk Wissenschaft der Logik darstellt. Als Lehrbeauftragte unterrichtete sie am Eugene Lang College der New School for Social Research in New York Seminare in antiker Philosophie und Ästhetik. Anna Katsman ist derzeit geschäftsführende Herausgeberin von Political Concepts. Von 2014 bis 2018 war sie Mitorganisatorin des New York German Idealism Workshop.

Anna ist seit Herbst 2021 am THE NEW INSTITUTE und ist Academic Director.

PORTRAIT
FRAGEN
  • Was gibt Dir Hoffnung?

    Die Bemühungen sich zusammenschließender Menschen, ihre sozialen, wirtschaftlichen und politischen Institutionen zu verändern, geben mir Hoffnung. Hier sind für mich einige Wegbereiter*innen der Hoffnung aus der Geschichte: Die Aufklärung forderte im Windschatten der wissenschaftlichen Revolution sowohl traditionelle als auch natürliche Formen des Herrschens heraus und führte die moderne Idee ein, dass die Vernunft sich selbst bestimmt. Die Bürgerrechtsbewegungen der 1950er- und 1960er-Jahre zeigten, wie Massenproteste, Demonstrationen, Aktionen zivilen Ungehorsams, Streiks, inspirierende politische Persönlichkeiten und eine öffentliche Bewusstseinsbildung auf institutioneller, rechtlicher und politischer Ebene eine stärkere Gleichstellung von Schwarzen und People of Colour erwirken konnten. Die Chipko-Bewegung und die Proteste gegen die Dakota Access Pipeline in Standing Rock zeigten auf, wie Aktivist*innen, sofern sie gut organisiert sind, die Logik umweltschädlicher und nicht nachhaltiger extraktivistischer Wirtschaftspraktiken in Frage stellen können. Die Programme der Black Panther, sich gegenseitig zu helfen, von der Essensausgabe bis zur Gesundheitsversorgung, stellten alternative Formen der gemeinschaftlichen und selbstbestimmten Verteilung von Ressourcen dar. Dann gibt es Texte und Kunstwerke, die unser Selbstverständnis verändert, unsere unausgesprochenen Werte in den Mittelpunkt gerückt und unserem Wissen emotionale Tiefe verliehen haben: Kants Kritik der reinen Vernunft, Hegels Phänomenologie des Geistes, Beauvoirs Das zweite Geschlecht, Picasso, Baldwin, Beckett …

  • Wie gelingt Veränderung?

    Gesellschaftlicher Wandel findet auf verschiedenen Ebenen statt: in politischen Strukturen, sozialen und ethischen Beziehungen, durch technologische Ausformungen, soziale Eigentumsverhältnisse, internationale geopolitische Beziehungen, die öffentliche Meinung, Wirtschaftspolitik und so fort. Ein Wandel von Lebensweisen kann durch wissenschaftliche Entdeckungen, politische Spannungen, ökologische Erfordernisse, wirtschaftliche Anforderungen und soziale Kämpfe ausgelöst werden. Einige Veränderungen finden innerhalb der strukturellen Bedingungen einer Art zu leben statt und lassen sich mit deren Bedingungen vereinbaren, während andere eine Veränderung der Lebensart selbst erfordern. Wesentliche Veränderungen sind oft chaotisch, unterliegen der Unberechenbarkeit des Zufalls und verlaufen nicht ohne komplexe soziale Konflikte und Kämpfe. Wie man den Wandel und insbesondere die Rationalität des Wandels beschreibt, hängt davon ab, welche Ebene des Wandels man zu erklären versucht. Trotz dieser Komplexität lässt sich aber wohl der folgende Grundsatz herausarbeiten: Wandel wird durch Krisen und Widersprüche hervorgerufen, die in der Fähigkeit einer Lebensform entstehen, sich selbst zu reproduzieren. Wobei die soziale Reproduktion das Zusammenspiel zwischen objektiven strukturellen Bedingungen (z. B. politische, wirtschaftliche und internationale Beziehungen) und den subjektiven Werten, Normen und Verpflichtungen, die eine Lebensform zusammenhalten, beinhaltet. Dieser Denkansatz ist für die Erklärung der Logik sozialen Wandels besonders vielversprechend, weil er neue soziale Praktiken und Institutionen als Reaktion auf das Versagen der Lebensart, aus denen sie hervorgegangen sind, neu zu gestalten versucht.

  • Weshalb bist Du ans THE NEW INSTITUTE gekommen?

    Um auf die vor uns liegenden Herausforderungen zu reagieren, müssen wir meiner Meinung nach an der Schaffung von Institutionen mitwirken, welche
    – Wissen mit dem expliziten Ziel produzieren, einen fortschrittlichen sozialen Wandel herbeizuführen,
    – die Barrieren innerhalb des akademischen Denkens, wie zum Beispiel die Arbeitsteilung zwischen den Disziplinen, abbauen,
    – eine wechselseitige Beeinflussung zwischen akademischer Forschung und politischen, wirtschaftlichen und sozialen Institutionen herstellen.

PUBLIKATIONEN

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