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THE NEW INSTITUTE präsentiert hiermit eine kuratierte Website. Wir behandeln diesen Raum wie eine Ausstellung, und öffnen ihn für eine Vielzahl von Stimmen, Diskursen, Wissens und Wertesystemen.

On Curating Through Inquiries, Not Assumptions

Akinbode Akinbiyi, Bar Beach, Victoria Island, Lagos, 2006, From the series Lagos: All Roads, Courtesy: The artist

On Curating Through Inquiries, Not Assumptions

Ein Bild ist ein Ereignis an und für sich; ein Moment der Reflexion, des Erkennens, der Erinnerung. Die hier versammelten Bilder aus den Jahren 2021/2022 auf der Website von THE NEW INSTITUTE deuten den ersten kuratorische Ansatz, eine Website in eine Plattform für Kunstwerke zu verwandeln, die aktiv planetarische Rechte für eine globale Gesellschaft einfordern und Fragen der Menschlichkeit, der Transgression, des Geschlechts und neuer Formen des Zusammenlebens untersuchen. Diese Kunstwerke werden Sie vielleicht überraschen, denn sie illustrieren nicht (nur) Ideen oder Werten: Die Kunstwerke geben einen Ausblick auf mögliche Welten, die vor uns liegen.

Ausgehend von einer Auswahl des Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Kurators und Direktor von Haus der Kulturen der Welt, die er für unsere 2nd Paper Edition uns verlieh, haben Antonia Lagemann und ich über weitere Kunstwerke nachgedacht, die Hoffnung verkörpern könnten. Wie Ndikung es im Interview ausdrückt, Hoffnung „ist eine Kombination aus vier Dingen: Schicksal, Glaube, Liebe und ein unglaublicher Drang, zu überleben", der den Prozess der Rehumanisierung vorantreibt. Die Künstler*innen - Akinbode Akinbiyi, Jota Mombaça, Kiri Dalena, Raisa Galofre, Paul Kolling, Lin May Saeed und Sim Chi Yin - teilen alle diese Kraft und verbinden sich mit den zentralen Absichten von THE NEW INSTITUTE: die Ursachen globaler, ökologischer und gesellschaftlicher Probleme zu konfrontieren und gleichzeitig gemeinsam an eine solidarische Zukunft zu glauben. Durch die Künste sehen wir, was es bedeutet, auf die aktuellen politischen und ökologischen Dringlichkeiten zu reagieren, da die Künste in ihren vielfältigen Formen immer ein übergreifendes Anliegen verdichtet haben: wie soziale Gerechtigkeit sein könnte. Und das geht über jegliche Definition von Utopie hinaus.


Akinbode Akinbiyi präsentiert, was er "Sofortbilder" nennt, Fotografien von Straßenszenen und Passagen, wobei er die täglichen Gewohnheiten der Menschen, die gelebten Rhythmen und die sozialen Strukturen von Orten langsam zusammensetzt. Jota Mombaça bringt queere Körper zusammen, befreit sie von einer Geschichte der Unterdrückung, bei der kollektiven und performativen Hinterfragung sozialer und materieller Konventionen.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Kiri Dalena stellt verheerende Umweltkatastrophen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Betrachters; ein poetisches Erwachen durch den Film geht über Klimaprobleme und soziale Kämpfe hinaus. Paul Kolling untersucht die physische Zerbrechlichkeit der Seidenstraße, indem er sie in Landschaften integriert, die die kompromittierten Strukturen wirtschaftlicher Prozesse offenbaren: Grenzen, Rhetorik, Technologien.

Raisa Galofre schwenkt ihre Kamera entlang der Rituale der “Töchter der Muntu”, dreht eine Serie um sie, um das Pluriversum, und führt uns die Energien der Vorfahren des Karibik vor Augen, während Sim Chi Yin und Lin May Saeed die Horizonte von den Häfen der Welt aus erschließen und sich Fragen stellen, auf die jeder gerne eine Antwort hätte: Was hält uns zusammen, in dieser Welt? Gibt es ein übergreifendes Storytelling für planetarische Rechte? Welches sind die Geschichten, die wir in Zeiten des globalen Raubbaus hören müssen?

Diese Kunstwerke werden Sie vielleicht überraschen, denn sie veranschaulichen nicht nur eine Idee oder eine Reihe von Werten, sondern geben einen Ausblick auf mögliche Welten, die vor uns liegen.

Wenn man davon ausgeht, dass Forschung ausreicht, um Veränderungen herbeizuführen, würde man den täglichen Kampf der Menschen in dieser Welt ignorieren. Wir wählen Kunstwerke aus, um einen Blick auf das zu werfen, was die globale Gesellschaft als solche betrifft. Indem wir immer wieder kuratierte Gruppen von Kunstwerken zusammenstellen und sie in einen Dialog mit den Stipendienprogramn von THE NEW INSTITUTE bringen, zeigen wir die vielfältigen Auswirkungen des Strebens der Menschen nach sozialer und ökologischer Gerechtigkeit und damit nach Wohlbefinden.

Akinbode Akinbiyi

In einer Welt, die vom unermesslichen Fluxus von Informationen besessen ist, hält Akinbode Akinbiyi das Leben auf der Straße in seinem fotografischen Umfeld fest, und lässt die Menschen zwischen ihrer eigenen Körperlichkeit und Spiritualität atmen. In der fortlaufenden Serie "Sea Never Dry" dokumentiert Akinbode Akinbiyi heilige Zeremonien, gemeinschaftliche Versammlungen und Umweltzerstörung in den Küstengebieten Europas und Westafrikas. Die in dieser Ausgabe gezeigten Fotografien sind am Bar Beach an der Küste von Lagos entstanden. Meditativ und festlich zugleich, fangen seine Bilder intime, scheinbar zeitlose Momente ein, in denen das Heilige und das Profane nicht mehr getrennt sind.

Akinbode Akinbiyi, Lagos Island, Lagos, 2004, from the series Lagos: All Roads, Courtesy: The artist

Akinbode Akinbiyi, Bar Beach, Victoria Island, Lagos, 2006, from the series Sea Never Dry, Courtesy: The artist

Kiri Dalena

Soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit stehen im Mittelpunkt von Kiri Dalenas Arbeit als bildende Künstlerin, Filmemacherin und Aktivistin. Dalena engagiert sich aktiv im Kampf für Menschenrechte inmitten staatlicher Verfolgung auf den Philippinen. Als Anfang 2012 ein Hurrikan aggressiv auf die Heimatstadt ihrer Mutter in Iligan, Philippinen, traf, verursachte er eine immense Überschwemmung. Abgeschlagene Baumstämme und entwurzelte Bäume wurden von den Bergen heruntergefegt, Flüsse zerstörten ganze Gemeinden, Menschen und Tiere wurden ins Meer gespült. Diese verheerende Katastrophe führte zu einer bedeutenden Wende in Dalenas Arbeit und inspirierte sie zu einer tiefgreifenden Reflexion darüber, wie sie eine mitfühlendere Form der Teilnahme an den Geschichten der Menschen finden und diese gleichzeitig durch das Filmemachen dokumentieren kann. In der Videoarbeit "Tungkung Langit" verfolgt Dalena das Leben zweier Kinder, die ihre Familie auf tragische Weise durch den Wirbelsturm verloren haben. Während des Entstehungsprozesses dieser Arbeit begann Dalena, die Möglichkeiten und Grenzen des Filmemachens zu erfahren.

Kiri Dalena, Tungkung Langit (filmstill), 2012, video, color, sound, Camera: John Javellana. Courtesy of the artist

Kiri Dalena, Tungkung Langit (filmstill), 2012, video, color, sound, Camera: John Javellana. Courtesy of the artist

Kiri Dalena, Tungkung Langit (filmstill), 2012, video, color, sound, Camera: John Javellana. Courtesy of the artist

Paul Kolling

Paul Kolling erforscht Technologien, um sie neu zu ordnen, neu zu bewerten und neue Perspektiven aufzuzeigen, die durch Komplexität und Rhetorik verschleiert bleiben. Aus diesem Interesse heraus erstellt er Kartografien des Imaginären und der Realität, die sich hinter Technosphären der Macht verbirgt. Kolling arbeitet nicht nur an Installationen und hybriden Objekten, die versuchen, komplizierte Sachverhalte zugänglich zu machen, sondern auch kollektiv an dezentralisierten technologischen Systemen. Er ist ein Drittel der Forschungsgruppe terra0.org, die sich mit der Schaffung von hybriden Ökosystemen beschäftigt. Seine Serie „Westbound-190621", die die chinesische Seidenstraße nachstellt, ist ein Beispiel dafür. Der Künstler schnallte ein GPS an einen Zug, der auf einem seiner Bahnhöfe - von Zhenzhou nach Hamburg - abfuhr, und sammelte damit Satellitenbilder der gesamten Reise. So enthüllt „Westbound-190621" einen möglichen Grund für Chinas Zurückhaltung bei der Benennung spezifischer Routen: die Anwesenheit von Arbeitslagern der Uiguren. Durch die Kartierung der verschwommenen Umrisse von Chinas Gürtel und Straße, deutet "Westbound 190621 (1.968-3936)" an, wie die Kunst Kontrollsysteme in politisierten Gebieten, sozialen Umgebungen und wirtschaftlichen Allianzen aufdecken kann.

Paul Kolling, WB190621 No. 1-21, 2020 © Foto: Maik Graef

Raisa Galofre

Die Fotografien von Raisa Galofre umfassen das Aufeinanderprallen, die Vermischung und das Aufeinandertreffen von Gegensätzen: reale und fantastische, rationale und mythische Elemente, die sie in inszenierten Fotografien und fotografischen Skulpturen umsetzt. In dieser neuen, vielschichtigen fotografischen Interpretation der integrierten Familie, die Olivella in seinem Roman vorstellt, ist und bleibt der Mensch in Wechselbeziehung und Kommunikation mit allen anderen Wesen in einem kontinuierlichen und vitalen Austausch, der seine Existenz unterstützt. „Daugthers of the Muntu“ sind Teil einer größeren Arbeit mit dem Titel „Cundé Cundé“, 2015 - 2021.

Raisa Galofre, El fuego vivo de la cumbia vive en nosotros (The vivid fire of Cumbia lives within us), from the series Daughters of the Muntu: A Pluriverse, 2015 – ongoing. Courtesy of the artist

Raisa Galofre, From the Series „Daugthers of the Muntu: A Pluriverse“, as part of a larger work titled Cundé Cundé, 2015 – 2021. Courtesy of the artist

JOTA MOMBAÇA

Jota Mombaça beschreibt sich selbst als nicht-binäre "Bicha" (abwertender brasilianischer Slang für Nicht-Heterosexuelle) und als "Mutant", deren Persönlichkeit sich ständig verändert. Die interdisziplinäre Künstlerin erforscht und performt in ihrer Arbeit die Beziehungen zwischen Monstrosität und Menschlichkeit, Queer Studies, Antikolonialismus und der Umverteilung von Gewalt. Klang und die Visualisierung von Worten spielen eine wesentliche Rolle in ihrer Arbeit, die in einem offenen performativen Prozess stattfindet. "A Gente Combinamos De Não Morrer / Us Agreed Not To Die*" ist eine Performance, die sich mit den anhaltenden Kämpfen Schwarzer und transsexueller Menschen befasst - ihrem Widerstand, der sich im Überlebenswillen und im Kampf für ihre Rechte ausdrückt. Während der Performance stellt Mombaça Messer aus Materialien wie Glas, Holz und roten Schnürsenkeln her, und liest gleichzeitig Texte aus verschiedenen Quellen vor, um die Stimmen und Erinnerungen von Schriftstellern, die zum Schweigen gebracht wurden, wiederzugewinnen.

Jota Mombaça, A Gente Combinamos De Não Morrer / Us Agreed Not To Die, Performance, Object, 2018-ongoing, © Jota Mombaça

Sim Chi Yin

Sim Chi Yins fotografische Darstellungen des Lebens u.a. in Häfen der Welt, legt die monumentalen Herausforderungen offen, denen die Umwelt gegenübersteht, und liefert gleichzeitig persönliche Berichte über die menschliche Existenz, indem sie intime Erzählungen mit Dokumentarfotografie verbindet. Ihre forschungsbasierte Praxis umfasst bewegte Bilder, Interventionen in Archiven und textbasierte Performances. Das laufende Projekt „Shifting Sands“, von dem Teile in der zweiten Papierausgabe von THE NEW INSTITUTE präsentiert werden, entstand aus dem Interesse an der Geschichte und Gesellschaft ihres Heimatlandes Singapur, das pro Kopf der Bevölkerung der größte Sandimporteur der Welt ist. Sand ist eine der meistgenutzten Ressourcen der Welt, und seine globale Erschöpfung hat schwerwiegende ökologische und soziale Auswirkungen.

Sim Chi Yin, From the series "Burmese Spring", 2012. Courtesy of the artist

Sim Chi Yin, From the series "Shifting Sands", 2012. Courtesy of the artist

Sim Chi Yin, From the series "Burmese Spring", 2012. Courtesy of the artist

Lin May Saeed

In den Werken von Lin May Saeed dreht sich alles um die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Doch anstatt Leiden und Tod der Tiere darzustellen, schafft sie "Werke der Hoffnung", Werke, in denen Tiere ihre Würde zurückerlangen. Sie sind eine Geste der Versöhnung. Im Interview beschreibt Saeed, was Kunst und Aktivismus verbindet - und warum sie fest daran glaubt, dass in der Zukunft alle Menschen vegan leben werden.


Das Schweigen der Tiere

Es sind verschiedene Gründe denkbar, warum ein Tier nicht antwortet, wenn ihm eine Frage gestellt wird. Zum einen gibt es die etwas esoterisch anmutende Theorie, der Zufolge das Tier schweigt, weil es meditiert. Diese Meditation wäre demnach so tief, dass sie auch dann unaufhebbar ist, wenn das Tier eines gewaltsamen Todes stirbt. Sein Bewusstsein schweigt, während sein Unterbewusstsein Laute von sich gibt, die als „nicht artikuliert“ missverstanden werden und den Raum füllen, der das Tier und seine Widersacher umgibt.

Die andere Möglichkeit wäre, dass das Tier tatsächlich sprechen kann, allerdings nur sehr langsam. Bis ein Tier den Satz ausgesprochen hat „Bitte, töte mich nicht !“, vergehen Zeitalter, in einer fast unendlichen Ausdehnung von Silben. Als ob jemand seinen Namen auf die Oberfläche des Mondes schriebe. Entsprechend der jeweiligen Art kann dies hunderttausende Jahre andauern.

Lin May Saeed, Mureen / Lion School, 2016. Courtesy of the artist


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